Kuba

Havanna gilt heute als eine der schönsten Städte in der Karibik. Die 500 Jahre alte Altstadt (Habana Vieja) seit 1982 Weltkulturerbe der Unesco hat mehr als 900 historisch wertvolle, bis zu 400 Jahre alte Gebäude. Viele morbide, verwitterte und heruntergekommene Art-dèco Villen, aber etliche Häuser sind bereits saniert und wunderschön in ihrer Farbenpracht. Es gibt riesige Plätze, auf denen Che Guevara und dem Nationalheld Josè Marti mit Skulpturen gehuldigt wird. Ein Muss war auch El Morro, die Festung (1589-1630 erbaut) mit dem ältesten Leuchtfeuer und seit 1845 Wahrzeichen der Stadt. Das Hotel Amos Mundos, wo Hemingway 7 Jahre immer im selben Eckzimmer wohnte wurde bestaunt. In Hemingways Kneipe Bodeguita de Medio tranken wir unseren ersten Mojito. Wir bestaunten das Geburtshaus von Josè Marti. Und eine Nachtfahrt in Cabrio-Oldtimern war ebenso Pflicht wie ein Besuch der Buenavista Social Club Show. Hier bekamen wir dann einen ersten Eindruck über das bunte und besonders laute Kuba.

Rumglas

 

In einer Rumdestillation durften wir die vielen unterschiedlichen Rumsorten probieren – Kauf eingeschlossen. 2 Tage in Havanna ist aber leider nicht mehr als ein bißchen schnuppern in dieser tollen Stadt.

Dann ging es an der Westküste entlang. Der erste Halt war La Boca Criadero de Cocodrilos. Auf dieser Krokodilfarm leben 8.000 Krokodile allen Alters in den schlammigen Lagunen, und wir konnten diesen beeindruckenden Tieren bei einer Fütterung zusehen.

Das Vialestal, eine ehemalige, riesige eingebrochene Höhle, ist eine Landschaft wie ein Gemälde. Traumhaft schön und fast urzeitlich wirkend voller buckliger, Jahrmillionen alter grün überwachsener Kalksteinhügel. Hier wanderten wir durch die Cueva del Indio, eine grandiose Tropfsteinhöhle mit anschließender Bootsfahrt. Am Mural de la Prehistoria konnten wir die 180 m hohe Felswand bestaunen, die vom Maler Leovigido Gonzales Morillo mit der Menscheits­geschichte in bunten Farben bemalt wurde. Liebevoll wird diese Wandmalerei jährlich neu bunt überstrichen. In diesem Tal gibt es sogar einige „Ostrfriesenbrücken“. So nennen die Kubaner Brücken die weder rechts noch links Anschluß an eine Straße haben. Heimatliche Gefühle kamen da auf.

In einer kleinen privaten Tabakfarm (so etwas gibt es inzwischen) haben wir unsere erste kubanische Zigarre geraucht. Es kam der Wunsch auf so etwas häufiger zu wiederholen.

 

Von der Autobahn 1 bogen wir auf der „Schuhhalbinsel“ Peninsula de Zapata bei der Ausfahrt Australien ab, um mit einem Jetboot auf eine Insel in diesem riesigen Sumpfgebiet zu fahren, wo wir ein nachgebautes Dorf der Urbevölkerung mit lebensecht wirkenden Figuren bei deren Tagesgewohnheiten bestaunten.

Santa Clara war ein weiteres Ziel mit dem riesigen Che Guevara Monument und dem angeschlossenen Museum, wo alle Kampfmitglieder ihren letzten Ruheplatz gefunden haben.

Cienfuegos ist seit 2005 als Perle des Südens Weltkulturerbe. Diese Kleinstadt, bei deren Gründung 4 Deutsche beteiligt waren, ist angelegt wie ein Schachbrett. Und die deutschen Tugenden Ordnung und Disziplin sind hier auch heute noch aktuell.

 

Sie hat einen malerischen Altstadtkern mit schwer zu begehbarem Kopfsteinpflaster, ist Autofrei, mit vielen kleinen Häusern mit neoklassizistischen und Art-nouveau-Fassaden. Den Reichtum der Stadt erlangten die Spanier im 19. Jahrhundert mit dem Zuckerhandel. Hier steht das älteste 1889 erbaute Theater Kubas im Originalzustand. Hinter der in neoklassizistischem Stil mit Stucksäulen und Gemälden verzierten Front verbirgt sich der wunderschöne alte Theatersaal aus Mahagoni mit zierlichen Holzklappstühlen sowie einem Deckengemälde auf dem die 9 Musen der Kunst dargestellt sind.

Trinidad wurde von Velasqués 1514 als 3. Kolonialsiedlung an der Südküste gegründet. Auch hier kam der Reichtum vom Zuckerhandel und der Ausbeutung der Sklaven bis zu den Sklavenaufständen und den Unabhängigkeitskriegen gegen Spanien ab 1868. Heute gilt Trinidad neben Havannas Altstadt als das am besten bewahrte koloniale Schmuckstück Kubas. Der Autoverkehr ist auch hier aus der Altstadt verbannt und am Plaza Major, dem kolonialen Zentrum, scheint die Zeit stehen geblieben zu.

 

Sancti Spirius gehörte zu den ersten 7 Siedlungen auf kubanischem Boden und wurde 1514 von Diego Velázquez gegründet. Kolonialvillen, klassizistische Paläste und Herrenhäuser; ein koloniales Bilderbuch aus Arkadengängen, Säulen, Kapitellen, mächtigen Holzportalen und den auf ganz Kuba zu sehenden schmiedeisernen Gittern vor den Fenstern.

 

Camaguey, die drittgrößte Stadt und 1515 an der Küste gegründet und 1528 an die heutige Stelle im Landesinnern versetzt hat den wohl malerischsten Platz Kubas mit der 1728 im kolonialen Baustil erbauten Kirche, den farbenprächtigen Häuschen in allen Pastelltönen, verschnörkelten Laternen und den charakteristischen Holzbalkonen mit ihren winzigen schindelgedeckten Dächern und kunstvollen Holzgittern.

Bayama, zweitälteste Stadt Kubas und 1513 gegründet, war einst ein wohlhabendes Handels- und Schmugglerzentrum. Hier startete der Vater des Vaterlandes, der Plantagenbesitzter und Rebell Carlos M de Cèspedes 1868 den ersten Aufstand gegen die Spanier nachdem er seine Sklaven frei gelassen hatte. In Bayamo gilt die Pferdekutsche als angemessenes Fortbewegungsmittel und hat absolute Vorfahrt wie die Straßenschilder zeigen.

 

Während dieser 8 Tage hat unser Guide uns mit unglaublich vielen Informationen über Kuba beeindruckt. Die Insel ist einfach ein wunderschönes Reiseziel.

 

Santiago de Kuba ist die wohl karibischste, zweitgrößte Stadt Kubas. Hier leben die meisten Schwarzen, das afrikanische Erbe ist unübersehbar. Hernán Córtés war hier der erste Bürgermeister, er war es auch, der später Mexico eroberte und die Goldschätze der Azteken ausbeutete.

Diese Stadt spielte eine große Rolle in allen Unabhängigkeitskriegen und Revolutionen. Am 1.1.1959 hat Fidel Castro hier den Sieg der Revolution verkündet. Auf ganz Kuba liest man immer wieder an Hausfassaden und Plakaten YO SOY FIDEL (Ich bin Fidel). Er, sowie sein Freund José Marti werden nach wie vor hoch verehrt.

 

Von Santiago de Kuba aus ging es quer über die Südspitze der Insel zu unserem All Inclusive Hotel an der Playa Esmeralda bei Guadalavaca. Nach der doch anstrengenden Woche der richtige Platz, um Urlaubsgefühle auszuleben. Trotz vieler kleiner Regengüsse genossen wir das Baden im Atlantik und haben auf kleinen Ausflügen noch die nähere Umgebung erkundet.

Die angefahrenen Hotels, zum Teil in historischen Gebäuden, bemühten sich um internationalen Standard. Es gab Zimmer ohne Fester, mal ging der Fahrstuhl nicht oder es gab keinen, mal fehlte über Nacht das Wasser oder kurzfristig gab es keinen Strom. Aber immer war es sauber, das Personal ausgesprochen freundlich, und das Essen während der ganzen Reise außergewöhnlich abwechslungsreich und gut und ließ die überall festzustellende Mangelwirtschaft fast vergessen. Bettler sieht man kaum, Kubaner sind wahre Improvisationskünstler und die Ärmsten versuchen mit einfachsten Mitteln Geld zu verdienen, seien es mit Kugelschreiber gezauberte Portraits oder geflochtene Grillen aus Palmengras. Dankbar sind alle für Mitbringsel wie Seife, T-Shirts oder Kugelschreiber. Ein Wandel Kubas hin zur Marktwirtschaft ist spürbar, doch der Kontrast und Widerspruch zwischen Sozialismus und Kommerz ist überall zu spüren. Die liebevoll dekorierten Schaufenster mit nur wenigen Artikeln haben mir auf dieser Reise wieder einmal so richtig bewußt werden lassen in welch einem Überfluß wir leben. Dankbarkeit ist da angesagt.

 

Diese wohl letzte, weltweite Reise des Land-Frauen Kreisverbandes Segeberg wird allen mitreisenden Frauen eine wunderschöne Erinnerung sein.

 

Karin Bentschneider