Toskana

Von unserem Hotel in Montecatini Terme aus – wo sich Anfang des 20. Jahrhunderts die italienische Schickeria zum Kuren traf und noch heute Kurhäuser im reinsten Jugendstil zu bewundern sind - wurden einige geschichtsträchtige Städte besucht und bestaunt, denn nur selten steht man an Orten, in denen man sich ins Mittelalter versetzt fühlt. Es ist immer wieder überwältigend, zu sehen, welche Bauwerke vor Hunderten von Jahren schon geschaffen werden konnten.

 

In Florenz besuchten wir eine Seidenweberei in der noch an Webstühlen gearbeitet wird, die schon mehrere hundert Jahre alt sind. Die in Handarbeit hergestellten Stoffe können schon mal einige Tausend Euro pro Meter kosten, und werden heute z.T. speziell für Modeschöpfer hergestellt. Wir flanierten auf der berühmten Piazza della Signoria mit den vielen Standbildern, wie Neptun, Herkules und dem nackichten David. Auch bewunderten wir den unglaublich verzierten Dom, den Medici Palast, die vielen Bauten aus dem späten Mittelalter und der Renaissance, gingen am Arno spazieren und hatten von dort noch einen phantastischen Blick auf die zwei berühmtesten Brücken, die Ponte Santa Trinità und die Ponte Vecchio, die älteste und schönste Brücke Florenz, die schon im ersten Jahrtausend erbaut wurde.

In Pisa bestaunten wir den schiefen Turm. Doch beeindruckender ist auf dem Campo dei Miracoli, dem Platz der Wunder, der gesamte Marmorkomplex aus dem 12./13. Jahrhundert, bestehend aus dem Turm, dem Dom, dem Camposante sowie einer kreisrunden, der wohl größten, Taufkapelle.

 

Die seit dem 12/13. Jhdt. bestehende Stadt Lucca ist nahezu unverändert mittelalterlich und wir wollten sie gar nicht verlassen, so viel gab es zu sehen. Kaum zu glauben, dass es hier 99 Kirchen gibt. Ein lebendiger Mittelpunkt ist der ovale Marktplatz, unter dem ein römisches Amphietheater aus dem 2. Jh. liegt und heute nicht nur als Obst- und Gemüsemarkt, sondern verstärkt als ideale Kulisse für Freilichtveranstaltungen genutzt wird. Auf dem äußersten von drei Befestigungsringen, der heute als Freizeitparkt angelegt ist, gingen wir spazieren und hatten einen wunderbaren Überblick auf die Stadt und den barocken Palazzo Pfanner, erbaut Ende des 17. Jhdts.

Wir waren in Prato, der Hochburg der gewebten und gesponnenen Stoffe, mit dem mittelalterlichen Zentrum, dem romanischen Dom mit der mit tanzenden Putten verzierten Außenkanzel und dem barocken Brunnen. Nicht so ganz ins Bild passen die vielen asiatischen Gesichter. Dieses Drittel der Einwohner hält jedoch heute die lange Tradition der Stoffverarbeitung hoch.

Volterra hat innerhalb der etruskischen Mauern seinen nahezu intakten mittelalterlichen Charakter erhalten und beeindruckt durch die am Stadtbild abzulesende Vergangenheit von den Etruskern über die Römer, die Zeit der Christianisierung bis in die Gegenwart. Bei einem kurzen Besuch in einer Alabasterwerkstatt konnten wir die Bearbeitung dieses weichen Steines beobachten und wieder einmal Geld ausgeben.

Nicht vergessen ist die Fahrt auf die Insel Elba, die uns ihre vielfältige Landschaft, von karger Vegetation über Weinberge bis zu dichten Kastanienwäldern, bei strahlendem Sonnenschein präsentierte. Napoleon hatte es während seiner zwei Residenzjahre hier nicht allzu schlecht getroffen.

 

Die toskanische Küche und die Essgewohnheiten sind so ganz anders als wir es kennen, vieles war ungewohnt, einiges gewöhnungsbedürftig, meistens hat sehr gut geschmeckt. Eis, Kuchen Cantuccini mit Vin Santo, der rote und der weiße Wein haben immer gemundet - nur an das geschmacksneutrale, salzlose Weißbrot zum Frühstück konnten wir uns nur schwer gewöhnen.

Die vielen Eindrücke dieser Reise werden von den 85 LandFrauen, die in zwei Gruppen diese beeindruckende Landschaft „erfahren“ durften, sicher erst in den nächsten Wochen verarbeitet sein – und doch freuen wir uns alle schon auf die nächste Reise.

Karin Bentschneider